Wir wollen nicht für eure Krise zahlen!

Die Schlagzeilen häufen sich. Bei VW sollen laut internen Informationen über 100.000 Stellen abgebaut werden und 4 Werke in Deutschland stehen auf der Kippe, unter anderem wohl auch das Audi-Werk Neckarsulm.

Die Rechnung zahlen die Falschen

Wenn ein Konzern jahrzehntelang Milliardengewinne einfährt, wenn seine Vorstände sich ihre Vergütung mit Verweis auf ihre angeblich einzigartige Leistung vergolden lassen und wenn Politiker*innen jeder Couleur bei Betriebsbesuchen um die Gunst der Konzernspitze werben, dann könnte man meinen, im Fall einer Krise würden auch jene zur Verantwortung gezogen, die die Entscheidungen getroffen haben. Doch der Kapitalismus kennt eine andere Logik. Gewinne werden privatisiert. Die Kosten werden auf uns Arbeiter*innen abgewälzt.

Sollten sich die Berichte bestätigen, nach denen im Volkswagen-Konzern langfristig bis zu 100.000 Stellen zur Disposition stehen könnten, wäre das die jüngste und wohl drastischste Zuspitzung einer Entwicklung, die seit Jahren absehbar war. Nicht die Elektromobilität hat Volkswagen in diese Lage gebracht. Nicht die Beschäftigten haben die Krise verursacht. Und auch nicht die Leiharbeiter in den Werkshallen oder die Kolleg*innen bei den Zulieferer in den Gewerbegebieten.

Die Krise ist das Ergebnis eines Wirtschaftssystems, das langfristige Planung systematisch bestraft und kurzfristige Rendite belohnt.

Über Jahre hinweg war offensichtlich, wohin sich die globale Automobilindustrie bewegt. China investierte Milliarden in Elektromobilität, Batterietechnologie und industrielle Wertschöpfungsketten. Neue Hersteller entstanden, während etablierte Konzerne ihre Geschäftsmodelle umbauten. Die Frage war nicht, ob die Transformation kommt, sondern wie schnell sie kommt.

Doch gerade die deutsche Autoindustrie reagierte darauf mit bemerkenswerter Trägheit. Solange die Gewinne stimmten, bestand kein Anlass, das eigene Erfolgsmodell grundsätzlich zu hinterfragen. Warum riskante Investitionen tätigen, wenn sich mit Verbrennern noch prächtige Margen erzielen lassen? Warum Produktionsabläufe neu organisieren, wenn Aktionäre Jahr für Jahr steigende Ausschüttungen erwarten?

Die Verteidiger des Marktes erzählen gern, Wettbewerb zwinge Unternehmen zu Innovation und Effizienz. Tatsächlich zeigt sich immer wieder das Gegenteil. Große Konzerne entwickeln eine erstaunliche Fähigkeit, Veränderungen zu ignorieren, solange die Bilanzzahlen stimmen. Die viel beschworene Flexibilität des Marktes endet oft dort, wo kurzfristige Profite gefährdet werden.

Das gilt nicht nur für Volkswagen. Es gilt für das deutsche Wirtschaftsmodell insgesamt.

Seit Jahrzehnten wird in Deutschland gepredigt, der Staat müsse sparen, dürfe sich nicht verschulden und habe sich möglichst aus wirtschaftlichen Prozessen herauszuhalten. Das Ergebnis ist sichtbar. Brücken verfallen. Schulen werden sanierungsbedürftig. Die Bahn ist zum Symbol eines chronischen Investitionsstaus geworden. Während andere Länder Zukunftstechnologien fördern und Infrastruktur ausbauen, diskutiert Deutschland darüber, wie sich die nächste Sparrunde organisieren lässt.

Die gleiche Logik herrschte in vielen Vorstandsetagen. Investitionen galten als Kostenfaktor, nicht als Voraussetzung zukünftiger Wettbewerbsfähigkeit. Man lebte von der Substanz und erklärte dies zur wirtschaftlichen Vernunft.

Nun folgt die Rechnung.

Besonders empörend ist dabei die Verteilung der Lasten. Diejenigen, die die strategischen Fehlentscheidungen verantwortet haben, müssen die Folgen selten tragen. Wer als Beschäftigter am Band arbeitet, kennt dieses Prinzip. Wenn die Geschäfte gut laufen, wird erzählt, der Erfolg sei das Ergebnis genialer Managemententscheidungen. Wenn die Geschäfte schlecht laufen, sollen plötzlich die Lohnkosten das Problem sein.

Es ist eine bemerkenswerte Form von Verantwortungslosigkeit. Manager, deren Jahresvergütungen ein Vielfaches dessen betragen, was eine Industriefacharbeiterin in ihrem gesamten Berufsleben verdient, präsentieren Fehleinschätzungen als Sachzwänge.
Und verkünden wieder besseren Wissens die Entwicklungen wäre nicht absehbar gewesen.
Die eigentlichen Risiken tragen andere. Leiharbeiter*innen, deren Verträge zuerst auslaufen. Beschäftigte bei Zulieferern, deren Existenz an einzelnen Aufträgen hängt. Familien, die Kredite für Häuser aufgenommen haben. Kommunen, deren Steuereinnahmen von einem einzelnen Großkonzern abhängen.

Besonders deutlich wird das in Ingolstadt.

Die Stadt verdankt ihren Wohlstand zu einem erheblichen Teil Audi. Jahrzehntelang schien dieses Modell aufzugehen. Die Gewerbesteuern flossen. Die Arbeitslosigkeit blieb niedrig. Die Region galt als wirtschaftliche Erfolgsgeschichte.

Doch wirtschaftliche Stärke und wirtschaftliche Abhängigkeit sind nicht dasselbe.

Über viele Jahre hinweg behandelte die lokale Politik die Interessen des Konzerns nahezu wie ein öffentliches Interesse. Unabhängig von Parteigrenzen entstand der Eindruck, die wichtigste Aufgabe kommunaler Politik bestehe darin, optimale Bedingungen für Audi zu schaffen. Wer Investitionen, Arbeitsplätze und Steuereinnahmen an einen einzelnen Konzern bindet, macht sich jedoch verwundbar.

Zur ganzen Wahrheit gehört auch das der VW-Konzern, und das ist laut deutschen Steuerrecht erlaubt, seine Bilanz gesamt berechnet und um es kurz zu sagen wegen einem schlechten Ergebnis bei Porsche im letzen Jahr als Gesamtkonzern überhaupt keine Steuern zahlen muss.
Also Geld das nicht nur jetzt in der Ingolstädter Stadtkasse fehlt.

Die Frage lautet deshalb nicht nur, warum Volkswagen und Audi die Transformation verschlafen haben. Die Frage lautet auch, warum Politik und Verwaltung kaum ernsthafte Anstrengungen unternommen haben, die wirtschaftliche Basis der Region breiter aufzustellen.

Wo sind die großen öffentlichen Investitionen in Forschung, Bildung und Infrastruktur? Wo sind die Strategien, um neue Industrien anzusiedeln? Wo ist die Vorbereitung auf eine Zukunft, in der die Automobilindustrie nicht mehr dieselbe Rolle spielt wie vor zwanzig Jahren?

Stattdessen herrschte die Illusion, die Erfolgsgeschichte werde sich von selbst fortsetzen.

Nun zeigt sich, wie gefährlich diese Vorstellung war.

Die Krise von Volkswagen ist deshalb mehr als eine Unternehmenskrise. Sie ist eine Krise eines gesamten Modells. Ein Modell, das wirtschaftliche Planung dem Markt überlässt. Ein Modell, das öffentliche Investitionen vernachlässigt. Ein Modell, das Vorstände für Erfolge belohnt und Beschäftigte und Steuerzahler*innen für Misserfolge bezahlen lässt.

Die entscheidende Frage ist nicht, wie sich die Wettbewerbsfähigkeit eines einzelnen Konzerns wiederherstellen lässt. Die entscheidende Frage lautet, wer über die Zukunft von Industrie, Arbeit und Technologie entscheidet.

Solange diese Entscheidungen vor allem von Aktionärsinteressen bestimmt werden, wird sich das Muster wiederholen. Erst werden Gewinne abgeschöpft. Dann werden Risiken ignoriert. Schließlich werden Arbeitsplätze abgebaut.

Und am Ende heißt es wieder, leider habe es keine Alternative gegeben.

Dabei besteht die eigentliche Alternativlosigkeit nur darin, dass ein Wirtschaftssystem, das langfristige Planung zugunsten kurzfristiger Rendite opfert, zwangsläufig immer neue Krisen produziert. Die Beschäftigten bei Volkswagen haben diese Krise nicht verursacht. Zahlen sollen sie sie trotzdem.

Wir wollen nicht für eure Krise zahlen!

Die Kolleg*innen bei Mercedes sind jetzt auf der Straße um gegen Kürzungen bei Personal und längere Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich zu protestieren.
Bei Audi in Neckarsulm formiert sich auch Widerstand.
Die Beschäftigten des Zulieferers Mahle in Neustadt an der Donau befanden sich 8 Tage im Erzwingungsstreik um die Schließung des Werks abzuwenden, Sie konnten immerhin bessere Konditionen erkämpfen.

Am Donnerstag den 9. Juli trifft sich der VW-Aufsichtsrat in Wolfsburg um über die Sparpläne zu beraten.

Die Sparpläne die das Managermagazin veröffentlicht hat fallen in eine Zeit in der im Oktober die Tarifverhandlungen in der Metall und Elektroindustrie starten und bilden so schon einen gewissen Grunddruck auf die Position der IG Metall.

Organisieren wir jetzt die kollektive Opposition gegen die Sparpläne und den allgemeinen Kurs der deutschen Konzerne!

Auch wollen wir keinen grüneren oder nachhaltigeren oder demokratischeren Kapitalismus sondern gar keinen mehr.

Deswegen muss unsere Position in diesen Auseinandersetzungen natürlich ganz klar eine antikapitalistische sein und damit auf der Seite der Beschäftigten.

Auflösungserklärung – OAT Ingolstadt

Nach einem jahrelangen Prozess mussten wir uns eingestehen, dass wir keine arbeitsfähige Strategie finden konnten. Deswegen stellen wir die Arbeit als Offenes Antifaschistisches Treffen ein und lösen uns auf. Das bedeutet konkret:

  • Es wird keine weiteren Treffen mehr geben.
  • Das OAT wird keinen öffentlichen Auftritt mehr haben und keine politische Arbeit mehr leisten.
  • Der Instagram-Account vom OAT (@offenesantifatreffen) wird für den Infokanal Revolt 8070 umfunktioniert. Dort findet ihr linke Infos und Termine aus Ingolstadt und Umgebung.

Wir haben es geschafft, einen Anlaufpunkt anzubieten, um interessierte Menschen zu organisieren und zu politisieren. Wir konnten durch eigene Aktionen und durch die Beteiligung an anderen Veranstaltungen inhaltliche Akzente setzen. Und wir haben dazu beigetragen, dass rechte Events in der Region nicht widerstandslos stattfinden konnten.

Warum lösen wir uns auf?

Ein zentraler Auslöser war die fehlgeschlagene Strategiefindung und das Fehlen eines Selbstverständnisses. Wir haben es nicht geschafft, die verschiedenen Ansichten und Perspektiven im OAT zusammenzubringen, um eine Grundlage für eine gemeinsame politische Arbeit zu schaffen.

Wir haben es nicht geschafft, Bildungsarbeit als einen relevanten Baustein in unserer Organisation zu etablieren. Dadurch sind informelle Informations- und Bildungshierarchien entstanden, die den Anschluss und die Mitarbeit für neue als auch schon länger aktive Genoss*innen schwierig gemacht haben.

Antifaschismus ist und bleibt auch weiterhin notwendig!
Dafür ist aber eine Strategie grundlegend, diese zu entwickeln ist uns nicht gelungen.
Unter diesen Bedingungen war politische Praxis für uns gegen Ende kaum noch möglich.

Der unabhängige politische Kampf in Ingolstadt wird dennoch weiter geführt und es gibt weiterhin Möglichkeiten, aktiv zu werden. Das „Solidarische Zentrum Azad Şergeş“ bleibt ein Ort für genau diese Organisierung. Dort treffen sich die @initiativesozialefrage, @schulstreik_ingolstadt, das @oft.ingolstadt, @dk_ingolstadt, der „Anarchistische Lesekreis“ und das „Offene Rote Treffen“.

Ein geschlossenes Kapitel schafft den Raum für Neues.

Solidarische Grüße
OAT Ingolstadt

Defend Kurdistan Demo vom 01.02.2026

Am Sonntag den 1. Februar waren wir mit mehreren hundert Menschen auf der Straße um weiter solidarisch an der Seite Rojavas und der Kurdischen Freiheitsbewegung zu stehen.
Die Errungenschaften der Selbstverwaltung und die Frauenrevolution verteidigen!

Die Demonstration wurde initiiert von Defend Kurdistan Ingolstadt, wir treffen uns jeden ersten Freitag im Monat ab 18Uhr im solidarischen Zentrum Azad Şergeş, interessierte Menschen sind natürlich herzlich willkommen.

Unser nächstes Treffen findet am Freitag den 6.März statt.

Aktionswoche für Rojava

Folgende Inhalte sind online aufgetaucht und werden hier dokumentiert:

Quelle: https://sendvid.com/9dnlbe5s

In den letzten Tagen haben sich auch in Ingolstadt Aktivist*innen zu einer Aktionswoche für Rojava zusammen getan.

Hintergrund sind die Angriffe auf die kurdische Autonomieregion in Rojava durch die dschiadistischen Milizen der HTS und die türkische Regierung. Rojava ist eine selbstverwaltete Region in Nord- und Ostsyrien. Seit der Revolution 2011 haben die Menschen dort eine demokratische Gesellschaft aufgebaut, die auf Frauenbefreiung und Ökologie basiert und entschlossen den sogenannten IS in der Region besiegt.

Seit letzter Woche wird Rojava wieder massiv angegriffen. Und Deutschland, die EU und die USA unterstützen die Angreifer*innen. So liefert Deutschland z.B. Waffen an die Türkei und die EU will hunderte Millionen an die HTS zahlen.

Die konservativen Kräfte Ingolstadts, wie die JU, die FDP und die CSU, wollen einen „Verteidigungs-Campus“ als attraktiven Standort für die Rüstungindustrie errichten. Doch wir sagen: Noch mehr Krieg, noch mehr Waffen werden keinen Frieden schaffen!

Wir sind solidarisch mit dem fortschrittlichen Gesellschaftsentwurf und den Menschen in Rojava. Ob mit der Peoples‘ caravan, bei Delegationen oder Demonstrationen, wir fordern:

  • den Abbruch aller politischen und diplomatischen Beziehungen mit dem HTS-Regime
  • den sofortigen Stopp aller Waffenlieferungen an die Türkei
  • den sofortigen Stopp aller Abschiebungen nach Syrien, in die Türkei, in den Iran und in den Irak
  • die Freilassung aller Festgehaltenen und Gefangenen der kurdischen Freiheitsbewegung in der Türkei
  • kein Ausbau der Rüstungsindustrie in Ingolstadt

Lang lebe der Widerstand in Rojava! Bijî berxwedana Rojava!

Pressemitteilung zur Demonstration „Wehr dich gegen Wehrpflicht“

Eine Rückker einer zwanghaften Wehrpflicht kommt unverkennbar näher. Die Bundeswehr hat jetzt schon einen gewaltigen Einfluss auf die berufliche Selbstbestimmung von Jugendlichen und junge Erwachsenen. Ihre Werbung hängt in Bahnhöfen, über all in der Stadt und liegen in den Schulen aus. In Bayern darf der Bund seit August 2024 sogar ohne Zustimmung oder Einladung der Lehrkräfte in die Klassen gehen und ihre Propaganda verbreiten. Mit den neuen Wehrdienst-Gesetzen, will sich das Militär nun noch tiefer in die Lebensentscheidung der Jugendlichen einmischen.

Zur Frage warum sie gegen Wehrpflicht ist sagt L. von der Linksjugend [’solid]: „Weil ich für so ein Rotz Land nicht sterben will. Und weil junge Menschen eine tatsächliche Zukunftsperspektive verdienen und nicht nur Waffen, die Menschenleben und unsere Welt zerstören.“

Statt in konfliktevorbeuge Strategien, in den Sozialbau oder in Bildung zu investieren, schaufelt die Regierung Massenhaft Geld in Waffen und Munition. Diese Ausgaben werden mit dem Ausbau von öffentlicher Infrastruktur gerechtfertigt, aber in Praxis hat die Bundeswehr bei Infrastrukturprojekten das letzte Wort. Es werden dann nur die Autobahnen ausgebaut, die strategisch nützlich sind und nur die Brücken renoviert, über die eventuell ein Panzer fahren muss. Die Gesellschaft wird auf Krieg vorbereitet. Krieg für die Interessen der Staatsträger und nicht der Menschen welche darunter leiden müssen. Ein Krieg von dem die einzigen Gewinner die Rüstungsunternehmen sind, welche jetzt schon gigantische Profite durch die Aufrüstung erfahren. Rheinmetall, Airbus, MBDA, usw.

„Durch Wehrpflicht und Militarisierung soll die von den Regierungen ausgebene Zeitwende auch in der Gesellschaft, unserer Kultur, in unseren Köpfen stattfinden. Die Wehrpflicht stellt die höchst mögliche Stufe der Unterordnung unter den Kapitalismus und seinen menschenfeindlichen Normalbetrieb da.“ sagt T. von Defend Kurdistan Ingolstadt.

Als Bündnis wollen wir uns gegen die Militarisierung stellen, Gegen die Normalisierung von Krieg und Gewalt als Konfliklösung, und gegen den Einfluss der Bundeswehr auf unsere Gesellschaft.

Deshalb rufen „Defend Kurdistan Ingolstadt“, „DFG-VK“, das „Offene Antifaschistische Treffen Ingolstadt“, die „Initiative Soziale Frage“, das „Offene Feministische Treffen Ingolstadt“, die „Linksjugend [’solid]“, die Partei „die Linke“, der „Rote Block Ingolstadt“ und „Fridays For Future“ zu einer Demonstration gegen die Wehrpflicht und Militarisierung am 6.09. um 12 Uhr auf dem Paradeplatz auf.

„Kein Mensch, kein Cent der Bundeswehr“!

Aktionsbündnis zum „Antikriegstag“ – Ingolstadt, der 03.09.2025

Gerechtigkeit und Freiheit für Maja

Heute ist der 23. Tag von Majas Hungerstreik. Maja sitzt in Ungarn in Untersuchungshaft wegen eines mutmaßlichen Angriffs auf Neonazis im Rahmen des sogenannten „Tag der Ehre“ 2023 in Budapest. Mit dem Hungerstreik kämpft Maja für eine Rücküberführung nach Deutschland um der Folter des ungarischen Staats zu entgehen. Obwohl es Maja gesundheitlich immer schlechter geht, werden Majas Forderungen vom Gericht nicht stattgegeben. Auch die Bundesregierung schweigt und gefährdet damit Majas Leben. Wir stehen solidarisch an Majas Seite. Bringt Maja nach Hause!

Rede des OFT am 1. Mai

Wir haben lange darüber nachgedacht, was wir heute zum Thema dieser Rede machen wollen. Da wir eine Gruppe sind die sich ausschließlich aus FINTA, also Frauen Intergeschlechtliche Personen, Nichtbinäre, Trans und A geschlechtliche Personen zusammensetzt, läge ein Thema nahe das uns betrifft. Wie das FINTA weniger bezahlt wird als ihren cis männlichen Kollegen und sie dazu aber Belästigungen und Vorurteile ertragen um ihre Arbeitsstelle nicht zu verlieren. Oder beispielweise über unbezahlte Reproduktionsarbeit, die immer noch zu etwa 80 % von uns übernommen wird. Denn auch unbezahlte Cararbeit also Aufräumen, emotionaler Beistand, Putzen, Betreuen und Erziehen von Kindern kann bestreikt werden. Auch häusliche Arbeit kann niedergelegt werden. Wir können uns dagegen entscheiden emotionalen Beistand zu leisten oder das Pflegen einer*s Angehörigen sein lassen. Doch sind die Konsequenzen genau wie bei auch überwiegend weiblich konnotierter bezahlter care Arbeit andere als die Verweigerung in einem Betrieb am Band zu arbeiten. Denn wie bei Streiks in Kita, Krankenhaus oder Jugendhilfe müssen alternative Betreuungs- und Hilfsangebote organisiert werden. Zudem kann nicht übernommene Sorgearbeit zu einer enormen Belastung von sozialen Beziehungen führen.

Insgesamt macht es einen erheblichen unterschied welche Arbeit man niederlegt und was auf dem Spiel steht. Es ist ein anderer Organisationsaufwand. Es gibt andere Bedingungen zu berücksichtigen und andere rechtliche Richtlinien zu erfüllen. 

Aber nicht nur was bestreikt wird, sondern auch wer streikt hat eine Bedeutung. Wir alle haben bei dem Wort Streik das Bild von einem cis Mann mit hochgekrempelten Ärmeln und dem Spruch „die Welt steht still wenn dein starker Arm es will“. Doch wo bleibt die Repräsentation von streikenden FINTA (da bin ich dann immer etwas wütend auf meinen internalisierten Sexcismus.) Erst einmal erschwert nicht allein die Lohnarbeit vor allem FINTA ihr politisches Engagement, sondern auch die zwangsläufig übernommene Reproduktionsarbeit. Denn wer übernimmt dann bei einem Streik die Sorgearbeit und fängt die entstanden Spannungen auf? Diese Doppelbelastung erschwert natürlich die Beteiligung an Organisation und Teilnahme an politischen Aktionen und allgemein die Organisation in Gewerkschaften. Und trotzdem gab es schon immer streikende FINTA. Denn die Arbeiterbewegung ist eine Arbeiter*innen Bewegung. Trotz Doppelbelastung lassen wir es uns also nicht nehmen, für unsere Rechte einzustehen und diese für uns und alle einzufordern. 

Und jetzt kommen wir zum heutigen Thema: Feminismus im Streik oder auch der feministische Streik.

Wie sieht er aus, dieser Streik. Mit Kinderschminke und Betreuungsangebot mit Kaffee, Kuchen am Küchentisch und insgesamt ganz friedlich und freundlich. 

Aber wieso? Ist ein feministischer Streik etwa kein Kampf? Oh doch, das ist er, und zwar ein Politischer!

Ein feministischer Streik plant die Doppelbelastung der Beschäftigten ein und organisiert im Vorhinein kollektive Alternativen zur Betreuung und Versorgung (damit nicht nur die Lohnarbeit bestreikt werden kann). 

Ein feministischer streik macht klar, dass alle vermeidlich privaten Angelegenheiten und Einzelfälle zum öffentlichen Diskurs gehören und Produkte des Patriarchats und des kapitalistischen Systems sind. 

Ein feministischer Streik vereint die vielen vereinzelten Stimmen von Frauen und Queers und fordert lauthals und entschieden nicht nur eine Verbessrung der Tarifverträge, sondern eine Änderung des Systems zur sozialen Gerechtigkeit. 

Lasst uns unsere Genoss*innen in ihren Kämpfen unterstützen, denn wir haben eine Welt zu gewinnen!

Rede des OAT am 1. Mai

Liebe Arbeiter*innen, Liebe Genoss*innen

im Namen des Offenen Antifaschistischen Treffen Ingolstadt möchte ich mich bedanken, dass ihr hier so zahlreich erschienen seid!

Der 1. Mai ist entstanden aus dem Kampf der Arbeiter*innenbewegung in Chicago, die für den 8 Stunden Tag und ein menschenwürdiges Leben ohne Ausbeutung kämpfte. 

Ein Kampf gegen die ihnen auferlegten Fesseln, der blutig niedergeschlagen wurde. 

Doch ihr Kampf war nicht umsonst. 

Der 1. Mai wurde zum Symbol des internationalen Widerstands gegen Unterdrückung.

Aber der 1. Mai war kein geschenkter Feiertag- er war und ist ein Kampftag. 

Genau deshalb versuchten die Nazis, ihn zu entwaffnen und für ihre eigene Inszenierung zu missbrauchen. Durch die Darstellung von Arbeit als „Dienst an der Volksgemeinschaft“ versuchten sie, von den wahren Hintergründen abzulenken.

So erklärten sie ihn 1933 zum „Feiertag der nationalen Arbeit“, während sie freie Gewerkschaften zerschlugen und diejenigen verschleppten, folterten und ermordeten, die für Gerechtigkeit und Freiheit einstanden. 

Was sie nicht kontrollieren konnten wollten sie zerstören. 

Schon die Umbenennung zum „Feiertag der nationalen Arbeit“ zeigt die eigentlichen Motive der Nazis: 

die Kraft der Massen für ihre eigenen ideologischen Bestrebungen umzulenken.

Auch heute wird der Arbeiter*innenkampftag von Heuchler*innen genutzt, um die eigene Politik zu legitimieren. 

Rechtsradikale und Neo-Nazis organisieren Aufmärsche und schreien Pseudo-Arbeiter*innen Parolen. 

Das ist nichts Neues für uns, doch was neu ist ist der Anklang den sie damit bei immer mehr Menschen finden. 

Es reicht aber nicht nur über diese Gruppen zu reden, denn antifaschistische Politik muss auch die kritisieren, die genau so eine

Entwicklung möglich machen!

Banken und Spekulant*innen werden mit Milliarden an Steuergeldern über Wasser gehalten, während viele Arbeiter*innen kaum noch über die Runden kommen. 

Sie reden immer über Wachstum, doch das einzige was anwächst ist der Reichtum der besitzenden Klasse. 

Auch der schwarz-rote Koalitionsvertrag von SPD und Union reiht sich in diese Politik ein.

Anstatt Politik zu machen, die den Arbeiter*innen zu Gute kommt und sie im Alltag entlastet, wird Politik für die oberen 1% gemacht.

Das ist Klassenkampf von oben herab!

Die steuerfreie Überstunden-Auszahlung wird als soziale Errungenschaft verkauft, doch ein Blick in die Realität zeigt, dass Millionen von Überstunden gar nicht erst erfasst werden geschweige denn von den Bossen ausbezahlt werden!

Die Erhöhung des Mindestlohns auf 15€ bis 2026 reicht nichtmal als Inflationsausgleich und ändert an der Lebensrealität vieler rein gar nichts.

Sogar die Erhöhung der Wochenarbeitszeit auf 42 Stunden steht im Raum, ein direkter Angriff auf den hart- und blutig erkämpften 

8-Stunden-Tag.

Sie stellen sich als „Vertreter*innen des kleinen Mannes“ dar, hetzen aber gleichzeitig gegen Migrant*innen und andere marginalisierte Gruppen. Sie inszenieren sich als gerechte, ordnungsschaffende Retter, während sie die Schwächsten in unserer Gesellschaft attackieren.

Das ist keine Arbeiter*innen Politik, das ist Politik für das Kapital.

Politik für wenige auf dem Rücken von vielen!

Sie tragen den Mantel der Arbeiter*innenbewegung, doch ihr Herz schlägt für Herrschaft, Ausgrenzung und Gewalt!

Während der 1. Mai heutzutage von der herrschenden Klasse als Feiertag inszeniert wird, führen wir die Gedanken Karl Liebknechts fort: „Die Bourgeoise feiert- Wir kämpfen!“

Es ist unsere Aufgabe, klar und laut zu sagen: der 1. Mai ist antifaschistisch! 

Er steht für internationale Solidarität, für soziale Gerechtigkeit und für ein Zusammenleben jenseits von Rassismus, Nationalismus und Ausbeutung.

Gerade heute, wo rechte Ideologien in Parlamente einziehen, wo soziale Spaltung vertieft wird und Angst geschürt wird, brauchen wir eine klare Haltung: 

Keine Bühne den Faschisten und denen die ihnen den Weg bereiten, nicht am 1. Mai und an keinem anderen Tag!

Heute ist und bleibt unser Kampftag!

Deswegen sagen wir:

„Arbeiter*innen aller Länder vereinigt euch!“

Denn nur zusammen können wir eine lebenswerte Zukunft erkämpfen!

Danke!